Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Standort Kleefeld:
Kirchröder Str. 13
30625 Hannover
Tel: 0511 168-44301
verwaltung@asbbs.de

Standort Herrenhausen:
Herrenhäuser Str. 10
30419 Hannover
Tel: 0511 168-43868
zweigstelle@asbbs.de

Fachschule Heilerziehungspflege



„Gemeinsame Aufmerksamkeit sichern“

Vortrag zur Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom

Am Freitagabend, 03.11.2017, war die Aula der Alice-Salomon-Schule am Standort Kleefeld Schauplatz für einen inspirierenden und recht interaktiv gestalteten Vortrag von Prof. em. Dr. Etta Wilken zum Thema Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom. Prof. Wilken lehrte bis zu ihrer Emeritierung Allgemeine und Integrative Behindertenpädagogik am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover, engagiert sich aber weiterhin für die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung. Der ebenso wissenschaftlich fundierte wie für interessierte Laien gut verständliche Vortrag war Teil einer Veranstaltungsreihe des Hannoveraner Vereins MITEINANDERS im Rahmen der diesjährigen „Aktionstage für alle Menschen mit und ohne Behinderung“ (vom 21.10. bis 18.11.2017, hier: Flyer zur Veranstaltungsreihe als PDF). Auch Schülerinnen und Schüler der Fachschule Heilerziehungspflege und der Berufsfachschule Ergotherapie der Alice-Salomon-Schule nutzten dieses kostenlose Vortragsangebot.

Prof. Wilken stellte zunächst in ganzheitlicher Perspektive die vielfältigen Auswirkungen der motorischen, sensorischen und kognitiven Symptomatik bei Trisomie 21, z. B. dem nicht so gut ausgeprägten Kurzzeitgedächtnis, auf die Sprachentwicklung dar. Deutlich wurde, dass eine adäquate Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom eine ebenso ganzheitliche Herangehensweise verlangt. Rein technische Interventionen (z. B. Verwendung von Gaumenplatten zur Stabilisierung der Mundmotorik) würden nur noch bei sehr wenigen Kindern angewendet. Viel wichtiger seien natürliche orofaziale Übungen mit positivem, spaßbetontem Feedback (z. B. leckeres Essen, Seifenblasen pusten). Angebotene Sinnesinformationen müssten für die Kinder eine Bedeutung haben und es komme darauf an, zwischen Erwachsenem und Kind immer wieder eine gemeinsame Aufmerksamkeit für Objekte der Umwelt zu sichern, damit der Spracherwerb gelinge.

Prof. Wilken betonte besonders die Bedeutung der gebärdenunterstützten Kommunikation. Gebärden seien ein Mittel, mit dem in einigen Fällen auch ursprünglich nicht sprechende Kinder noch sprechen gelernt hätten. Die Kinder gebärdeten die Wörter, die sie sprechen könnten, dann irgendwann nicht mehr. Der Vortrag war angereichert mit alltagsnahen Empfehlungen, wie z. B. gebärdenunterstütztes Betrachten von Kinderbüchern; Gestalten von Themenkisten, über deren Inhalt dann im konkreten Zeigen und Benennen der Spracherwerb gefördert werden könne; Aufbau von sprechrelevanten Routinen (z. B. zur Verankerung des Wortes „Autoschlüssel“: zum Auto gehen, aufschließen, am Lenkrad drehen). Zentral sei bei allem die Erfahrung des Kindes „Ich kann mich mitteilen“ und „Ich kann sprachlich etwas bewirken“ anstelle von „Ich werde nicht verstanden“ und „Es wird einfach etwas für mich gemacht“.

Die Zuhörenden konnten sich durch Mitvollziehen von Gebärden und Singen aktiv am Vortrag beteiligen. Weiterführende Hinweise z. B. zu bestimmten Apps für Gebärdensprache wurden gegeben.

Nachdenklich stimmte jedoch der Satz, dass es bei der Sprachförderung auf die intensive gemeinsame, geteilte Aufmerksamkeit, auf die Offenheit und Zuwendung zum Kind ankomme. Ist diese auch bei den Kindern ohne Beeinträchtigung ausreichend gegeben, wenn junge Eltern sich über weite Strecken nur mit ihrem Handy beschäftigen und wenig sprachliche Interaktion mit dem Kind stattfindet?


Dorothea Goller

Nach oben

Das könnte Sie auch interessieren
Zum Karriere-Portal Stellenanzeigen.de
(Ausbildungsplätze und Bewerbungstipps,
z.B. zum Thema Online-Bewerbung,
externes Angebot)

Alice