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Professionelles Deeskalationsmanagement in der Heilerziehungspflege

Vom 03.06. bis 05.06.2015 hatten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse unserer Fachschule Heilerziehungspflege (Klasse HEP 3) die Gelegenheit, an einem ganz besonderen dreitägigen Seminar teilzunehmen: Frau Böker und Herr Kaste von der GIB Hannover, beide ausgebildete ProDeMa®-Trainer, waren als Dozenten zu uns in die Alice-Salomon-Schule eingeladen, um die Grundlagen des professionellen Deeskalationsmanagements zu vermitteln.

ProDeMa® – entwickelt von Dipl.-Psychologe Ralf Wesuls (Institut für Professionelles Deeskalationsmanagement, mit Schulungen bundesweit aktiv) – eignet sich nicht zuletzt auch für die Bewältigung schwieriger Alltagssituationen in der Begleitung und Betreuung von Menschen mit (geistiger) Beeinträchtigung. In Abhängigkeit vom individuellen Entwicklungsstand kann etwa das Verhalten eines Bewohners in einer Wohngruppe oder in einer Tagesförderstätte für Menschen mit Beeinträchtigung schnell einmal von den Betreuern oder Mitbewohnern bzw. anderen Klienten als störend oder sogar „aggressiv“ empfunden werden, obwohl es das in Wirklichkeit gar nicht ist, – und dann eskaliert die Situation nicht selten, so dass eine pädagogisch sinnvolle Gestaltung der weiteren Zeit miteinander nicht möglich und/oder die Beziehung zur Betreuerin bzw. zum Betreuer gestört ist oder sogar Handgreiflichkeiten auftreten. Auch bei der Betreuung von Menschen mit Autismusspektrumsstörung können scheinbar unvorhersehbare problematische Verhaltensweisen auftreten, die eine angemessene Reaktion der heilerziehungspflegerischen Fachkräfte erfordern.

Der Vorzug des ProDeMa®-Konzepts liegt nun gerade in dem sehr umfassenden, ganz-heitlichen Blick auf sogenanntes herausforderndes Verhalten im Kontext von institutionellen Rahmenbedingungen, wozu auch die Gefühle und Gedanken von Mitarbeitern gehören. Deeskalation erschöpft sich eben gerade nicht in der Anwendung bestimmter „Techniken“ in brenzligen Situationen, sondern sollte schon viel früher sozusagen präventiv ansetzen (Phase I und II). So wurde den Seminarteilnehmern in einer Selbstreflexionsphase eindrucksvoll deutlich gemacht, welch subtiler Gewalt ein Mensch mit Beeinträchtigung in den Strukturen und Handlungsroutinen von Institutionen ausgesetzt sein kann. Mit welchen Zwängen (etwa Duschen nach „Duschplan“) kann ein Bewohner konfrontiert sein? Wie häufig etwa sage ich als Betreuer/-in zu den Wünschen und Impulsen meines Klienten einfach unüberlegt „Nein“? Wie sehr tendiere ich dazu, meinem Klienten einfach nur gereizt zu widersprechen oder umständlich verbal-argumentativ entgegenzutreten oder ständig „Warum machst du das?“ und „Wieso kannst du nicht einfach still sein?“ zu fragen, anstatt das Verhalten als „entwicklungslogisch sinnvoll“ und zielorientiert zu verstehen?

Das Seminar war gut strukturiert und geprägt von einer lerneffektiven Abwechslung zwischen Theorievermittlung und Übungsphasen, in denen das zuvor Besprochene in Rollenspielen praktisch erprobt und anschließend anhand von Videoaufnahmen evaluiert wurde. Aber auch die Theorie selbst, z. B. entwicklungspsychologische Grundlagen orientiert an Margaret Mahler, vermittelten Frau Böker und Herr Kaste sehr praxisbezogen und angereichert mit vielen Beispielen aus ihrem Erfahrungsschatz.

Die Schülerinnen und Schüler lernten systematisch die verschiedenen Module der Deeskalation nach dem ProDeMa®-Konzept kennen – es handelt sich dabei nicht um ein starres, phasenhaft zu durchlaufendes Schema von „Stufen“, sondern um jeweils situativ angemessene deeskalierende Maßnahmen. Die „Stufe“ DS V, also körperbezogene Interventionen, kann stets nur der letzte Ausweg sein, sozusagen die letzten 5 % der Deeskalation. Und für den Fall, dass es doch zu einer (ernsteren) Auseinandersetzung gekommen ist, berücksichtigt das ProDeMa®-Konzept auch die kollegiale Nachsorge (DS VI) und die behutsame Aufarbeitung im Team.

Die Resonanz der Schülerinnen und Schüler der HEP 3 auf dieses ganzheitliche Angebot des ProDeMa®-Seminars, also Deeskalation gleichsam von innen heraus kennenzulernen, eine adäquate heilerziehungspflegerische Haltung zu erspüren und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken, war außerordentlich positiv. Das Fazit lautete einhellig, dass sich alle wünschten, so ein Deeskalationstraining sollte auch in den Einrichtungen der Behindertenhilfe stattfinden, in denen sie zukünftig arbeiten. Als besonders beeindruckend empfanden die Teilnehmer/-innen aber das positive Menschenbild der beiden Dozenten, auch das Vertrauen darin und die Ermutigung dazu, die Kultur der eigenen Einrichtung positiv im Sinne einer „entwicklungsfreundlichen Beziehung“ (Senckel) zu verändern.

Wir danken Frau Böker und Herrn Kaste für ihr großes Engagement als Dozenten im Rahmen des erfolgreichen dreitägigen Deeskalationsseminars!

Dorothea Goller
(Alice-Salomon-Schule) 

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