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Schülerrede im Rahmen der Gedenkstunde zum Holocaust-Gedenktag

Kilian Richter, Schüler des 12. Jahrgangs des Beruflichen Gymnasiums, hielt während der Gedenkstunde die folgende Rede.

„Es war nicht eine kleine Zahl von Verbrechern, es waren Hunderttausende einer sogenannten deutschen Elite, Männer, Jungen und entmenschte Weiber, die unter dem Einfluss verrückter Lehren in kranker Lust diese Taten begangen haben.“ So schrieb Thomas Mann in „Meine Zeit, Essays 1945-1955“ über die Verbrechen der Deutschen an der Menschheit. In diesem Zitat fasst der Literaturnobelpreisträger von 1929 seine Wahrnehmungen der Täter und der Ideologie im Nationalsozialismus zusammen.

Im Rahmen des nationalsozialistischen Völkermordes wurden circa sechs Millionen Juden innerhalb von nur zwölf Jahren brutal ermordet, hingerichtet oder vergast. Bevor die Juden aber in den Höllen von Auschwitz-Birkenau und anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern landeten, wurden sie in Ghettos zusammengepfercht, nur um dort auf ihren Abtransport in das nächstgelegene Lager zu warten. Wo anderswo ganze Landstriche wie leergefegt wirkten, platzten die abgesonderten Wohnviertel aus allen Nähten. Die Nationalsozialisten beuteten die Juden auch in ihrer Arbeitskraft aus. Viele jüdische Zwangsarbeiter leisteten Schwerstarbeit für große deutsche Firmen wie die IG Farben oder Siemens und Halske. Auch, wenn sich die jüdischen Häftlinge der Arbeitslager bemühten ihr Bestes zu geben und froh waren, eine kriegswichtige Tätigkeit zu verrichten, die ihnen das Überleben für nur ein paar Wochen mehr sicherte, halfen selbst die größten Bemühungen den meisten nicht, dem Tod zu entrinnen.

All ihre Wege führten nach Auschwitz 1. Dort wurden die neuen Häftlinge selektiert. Wer kräftig und einigermaßen gesund war, wurde nach Auschwitz-Monowitz gebracht, um dort Zwangsarbeit für die IG Farben zu verrichten. Wem allerdings die lange Zugfahrt in Viehtransportwaggons nach Auschwitz die letzte Kraft geraubt hatte, den verwies man nach Auschwitz-Birkenau. Dieser zweite Komplex des Stammlagers hatte einzig und allein die Aufgabe, industrialisierte Vernichtung zu perfektionieren. In dieses Lager wurden Alte, Kranke und Schwache, aber auch Frauen und Kinder deportiert. Alleine in diesem Lagerkomplex wurden rund eine Million Menschen ermordet. Auf 1,7 Quadratkilometern. Eine Million Juden und Sinti und Roma aus ganz Europa ließen in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ihr Leben.

Würde man für jedes Opfer des Holocaust eine Schweigeminute einlegen, wäre es 11 Jahre lang still.

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurde am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee befreit.

Diese Verbrechen gegen die Menschheit fußten auf einem staatlich proklamierten Antisemitismus und Rassismus. Sicherlich gingen viele Gedanken über einen Genozid von einer führenden Person mit Macht aus, doch kann keine Regierung der Welt einen so großangelegten Völkermord wie den Holocaust durchführen ohne die Zuhilfenahme der Bevölkerung. Uns ist allen die bekannte Formulierung „Ich habe von nichts gewusst“ bestimmt schon einmal begegnet. Doch „Nichtwissen“ und „Nicht-Wissen-Wollen“ liegen gar nicht so weit entfernt voneinander. Es ist immer einfacher, die Augen und Ohren verschlossen zu halten, als Partei zu ergreifen, seine Stimme zu erheben und nicht länger zuzusehen und stattdessen zu handeln.

Andererseits stellt sich natürlich die Frage: Was maßen wir uns eigentlich an? Wir fällen das Urteil über eine Zeit, deren Zustände wir uns nicht annähernd vorstellen können. Viel wichtiger als berechtigte Kritik am Duckmäusertum unserer Großeltern und Urgroßeltern ist doch, dass wir, als die jetzige, junge Generation, uns und unsere Meinung nicht unterkriegen lassen. Sie alle haben miterlebt, wie es sich anfühlt, wenn eine rechtspopulistische, rassistische Partei in das höchste unserer Häuser einzieht. Wir haben im Repräsentantenhaus unserer Republik nun zweiundneunzig Abgeordnete dieser Partei sitzen, die auch über unsere Zukunft mitentscheiden werden. Im letzten Jahr durften wir alle eine Erstarkung des Nationalismus und des Rechtspopulismus im Rahmen der vergangenen Wahlen feststellen. Nicht nur bei uns in Europa; auch in Übersee.

Der Rechtspopulismus ist nun erneut zu einer bitteren Realität geworden. Manch einer möchte eine engagierte Politikerin am liebsten in Anatolien entsorgen. Auch möchte dieser Frau Dr. Merkel jagen – was das heißen mag? Ich kann nur mutmaßen.

Ich will Ihnen und Euch sagen: Ich schaue mit sorgenvoller Miene in Richtung Zukunft. Wenn Islamfeindlichkeit, gelebter Rassismus, Pauschalisierung Geflüchteter und tolerierter Antifeminismus weiter zunehmen, dann bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als Parallelen zwischen Vergangenem und der Gegenwart zu ziehen. Doch nun genug von dem Blick Richtung Vergangenheit. Lasst uns lieber in die Zukunft blicken.

In eine Zukunft, in der mehr Toleranz herrschen kann, wie es sie nie gegeben hat.

In eine Zukunft, in der Meinungsfreiheit eine zunehmend zentralere Rolle einnehmen wird als sie es je innehatte.

In eine Zukunft, in der unsere Kinder nicht mehr mit rechtsnationaler und populistischer Propaganda zu kämpfen haben, sondern sich in einer demokratischeren Weltordnung wiederfinden werden.

Wir haben die Zukunft in der Hand.

Leicht über die Lippen zu bringen, oder? Doch wie lässt sich eine Demokratisierung einer Demokratie konsequent durchsetzen? Eigentlich ganz einfach. Wir geben die Schuld weiter den Politikern, wir befreien uns von unseren Schuldgefühlen, wenn wir uns mal wieder, alle vier Jahre, an einem Sonntag nicht aus den Federn quälen wollen, indem wir der Meinung sind „Meine Stimme ist doch nichts wert“ oder „Ich kann mit einer Stimme doch nicht viel reißen“. Doch diese Annahme ist falsch. Zu kaum einer Zeit war es wichtiger, unsere politische Meinung kundzutun und ein Zeichen gegen übertriebenen Nationalismus, Hass und verharmlosten Sexismus und Homophobie zusetzen. Wir sind alle zwar keine erfahrenen Politiker, doch haben wir mit unserer Stimme die Wahl, nein, die Pflicht, einen politischen Diskurs zustande kommen zu lassen. Denn wie die bekannte deutsche Band „Die Ärzte“ schon betonte, „Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren, denn wer nicht versucht zu kämpfen, kann nur verlieren“.

Ich sehe besonders mich und meine Generation in der Pflicht, Hass nicht zustande kommen zu lassen und gegen den Vorhandenen anzukämpfen. Wir müssen an die Schandtaten des Nationalsozialismus mahnend erinnern und die vorhandene Erinnerungskultur weiter auszubauen. Uns allen muss bewusst werden, wie wichtig Politik ist.

Wir sind also doch Politiker. Wir haben das Recht und auch die Pflicht für eine demokratische Wahl unsere Stimme zu erheben und an dieser Wahl teilzunehmen. Wir haben in der Demokratie jede Chance, mitzugestalten. Nie waren die Chancen größer, unserer vielfältiges Land nach vorne zu bringen.

Wenn rechte Gruppierungen ungehindert Flüchtlingsheime niederbrennen, dann haben wir, mit Verlaub, die verdammte Pflicht, diesen rechtsnationalen und populistischen Gruppen den Weg zu versperren. Damit treten wir ein für unsere moralischen Grundsätze. Freiheit, Gleichheit und Gemeinschaftlichkeit. Wir kommen, um zu helfen und unschuldige Frauen, Kinder und Männer zu schützen. Unschuldigen, traumatisierten, misshandelten und verängstigten Menschen zu helfen ist unsere Pflicht! Ob nun Juden, Christen, Muslime oder Atheisten, wir alle sind vereint in einem Fakt: Wir sind alle Menschen aus Fleisch und Blut. Aber mit Herz. Ein Herz, gefüllt mit Barmherzigkeit, Mitgefühl, Liebe und der Fähigkeit, zu verzeihen.

Ich sehe mich, Sie, euch alle in der Pflicht, dem Hass niemals wieder eine so große und vielfältige Bühne zu bieten, wie es 1933 der Fall war.

Steht auf gegen Hass und Rassismus!

Steht auf, wenn Flüchtlingsheime brennen und stellt euch dem wütenden Mob entgegen!

Steht auf gegen all die Ungerechtigkeit, die bei uns in Deutschland immer noch vorherrscht!

Lasst euch nie wieder Ideologien blind diktieren, ohne zu hinterfragen, wofür sie stehen und was sie bewirken!

Steht auf und bringt euch ein!

Nie wieder dürfen wir es zulassen, dass Antisemitismus, Hass und Rassismus wieder zu einer solchen Kraft erstarken, wie es im Dritten Reich der Fall war. Hass ist keine Meinung. Vielmehr ist der Hass auf Bevölkerungs- und Glaubensgemeinschaften sowie auf jeden einzelnen Menschen ein Verbrechen. Ein Verbrechen, das in eine Katastrophe wie den Holocaust münden kann.

Wir erinnern heute an die Millionen Toten eines der größten Menschheitsverbrechen überhaupt. Doch all dieser Antisemitismus wurzelte auf Hass. Hass, der vom Staat geschürt und diktiert wurde. Wir sind heute hier, um an diesen Genozid zu erinnern. Nie wieder dürfen Hass und Faschismus sich durchsetzen und staatlich propagiert werden. Wir werden weiter erinnern und lassen uns auch davon nicht abhalten.

Denn wir wissen alle: Die größte Katastrophe ist das Vergessen!

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