Anfang September wurde unsere Alice-Salomon-Berufsschule zum Ort der Zusammenkunft. Der diesjährige Polenaustausch begann und mit ihm eine aufregende, lehrreiche und herzerwärmende Woche. Eine Gruppe von Schüler/-innen einer polnischen Veterinärschule reiste zu uns nach Hannover, um Deutschland, unsere Ausbildungsform und unsere Kultur kennenzulernen. Nächstes Jahr dürfen wir den Gegenbesuch antreten, dann geht es für uns 14 nach Polen. Als wir uns am ersten Tag zum ersten Mal begegneten, lag etwas Nervosität in der Luft. Die meisten von uns waren schüchtern, viele wussten nicht genau, was sie sagen oder wie sie sich verhalten sollten. Die Sprachbarriere machte es nicht leichter, viele konnten zwar etwas Englisch, aber nicht genug für echte Gespräche. Doch das Eis brach schneller, als wir dachten. Ein Lächeln, ein Lachen beim Kennenlernspiel, ein gemeinsames Interesse am Tier und schon bald wurde aus Unsicherheit Neugier, Offenheit und schließlich echte Nähe. Und dann ging’s los, eine Woche voller unvergesslicher Erlebnisse.
Unsere Gäste waren bereits Montagabend angekommen, und am Dienstag startete das offizielle Programm mit einem liebevoll gestalteten Empfang: Kaffee, Tee, Kekse und warme Worte schafften eine entspannte Atmosphäre. Ein kleines Kennenlernspiel half, die ersten Hürden zu überwinden, mit viel Lachen und manchmal auch Händen und Füßen statt perfektem Englisch.
Beim gemeinsamen Mittagessen in unserer Schulcafeteria warteten zwei köstliche Menüs. Unsere Kantinenfrau hatte sich richtig Mühe gegeben und man merkte, Essen verbindet. Anschließend wurde es fachlich. In Zweierteams sezierten wir Schweineherzen. Für viele war das das erste Mal und trotz anfänglicher Scheu wurde es für alle ein spannendes, sogar begeisterndes Erlebnis. Wir merkten, wir sprechen vielleicht nicht dieselbe Sprache, aber wir teilen dieselbe Leidenschaft. Nachmittags entdeckten wir Hannover bei einer Stadtrundfahrt, bei der nicht nur Sehenswürdigkeiten erklärt, sondern auch kleine Anekdoten erzählt wurden, z. B. bei Bahlsen, wo wir ganz nebenbei etwas Süßes genießen durften
Am Mittwoch besuchten wir gemeinsam die Tierärztliche Hochschule Hannover. In der Kleintierklinik hörten wir zwei spannende Vorträge: Einer über die Anatomie des Auges, der andere über den Umgang mit Bissverletzungen. Besonders faszinierend war der Workshop zum Thema „Cat Friendly Handling“, einer Methode, Katzen stressfreier zu behandeln. Die Klinik ist in diesem Bereich sogar gold-zertifiziert. Wir durften selbst kleine Techniken ausprobieren. Danach erhielten wir Führungen durch die Kleintier und die Pferdeklinik und bekamen Einblicke in professionelle tiermedizinische Arbeit. Viele von uns fanden Parallelen zu unserem eigenen Alltag in den Betrieben, andere waren schlichtweg begeistert. Der Nachmittag brachte uns mit einer Stadtrallye durch Hannover nicht nur an versteckte Orte, sondern auch einander näher. In gemischten Teams meisterten wir Aufgaben, suchten Hinweise und lachten gemeinsam über Missverständnisse und kleine Siege. Der Tag endete im Bavarium, einem typisch deutschen Restaurant. Bei Käsespätzle oder Frikadellen mit Kartoffelbrei, Gemüse und Soße saßen wir in lockerer Runde zusammen. Es wurde viel geredet, auch wenn nicht immer alles verstanden wurde, war die Stimmung doch voller Wärme und Gemeinschaft.



Am Donnerstag machten wir einen Ausflug ins Landgestüt Celle. Schon die prachtvollen Gebäude und gepflegten Stallungen beeindruckten uns. Eine spannende Führung brachte uns die Geschichte und die Bedeutung des Gestüts näher. Als wir die Pferde in ihren Boxen sahen, ging uns allen das Herz auf. Es war ein ruhiger Moment, den viele von uns genossen. Nachmittags hatten wir Freizeit in Celle, zum Bummeln, Shoppen, Eis essen oder einfach zum Reden. Für die polnischen Schüler/-innen war es eine Gelegenheit, kleine Souvenirs für zuhause zu kaufen und für uns alle, ein bisschen durchzuatmen. Zum Abschluss des Tages ging’s in den Escape Room und plötzlich waren wir wieder mitten im Teamwork. In deutschpolnisch gemischten Gruppen stellten wir uns kniffligen Rätseln. Es wurde geknobelt, gelacht, sich geholfen und am Ende stand nicht der Sieg, sondern das Erlebnis im Vordergrund.


Unser letzter gemeinsamer Tag führte uns in den Erlebniszoo Hannover. Eine Führung zum Thema Artenschutz zeigte uns, an welchen wichtigen Projekten der Zoo beteiligt ist. Besonders spannend war der Blick hinter die Kulissen der zooeigenen Tierklinik. Dort erkannten wir Parallelen zu unseren Arbeitsplätzen, konnten aber auch Unterschiede entdecken. Ein echtes Highlight waren Röntgenbilder exotischer Tiere und das Ausprobieren eines Blasrohrs, für alle das erste Mal. Beim Abschlussessen im Hoflokal des Zoos (Burger und Pommes – ganz klassisch) saßen wir noch einmal alle beisammen. Der Moment des Abschieds kam schneller, als uns lieb war, denn aus Fremden waren in nur vier Tagen Freunde geworden. Während unsere polnischen Gäste die Heimreise antraten, gingen wir in die Zooschule, wo wir gemeinsam auf die Woche zurückblickten. Was bleibt? Viele schöne Erinnerungen, neue Perspektiven und Vorfreude auf den Gegenbesuch in Polen.

Ein riesiges Dankeschön geht an Tommy, unseren Übersetzer, der mit seiner offenen, freundlichen Art die Kommunikation nicht nur erleichterte, sondern bereicherte. Dank ihm fühlte sich alles ein bisschen leichter an und manchmal auch einfach nur witzig. Unser größter Dank gilt aber unseren beiden Lehrerinnen Anica Pegel und Antje Jakob. Sie haben den Austausch mit Herzblut geplant, mit Begeisterung begleitet und mit großer Fürsorge möglich gemacht. Ohne euch wäre diese Woche nicht das gewesen, was sie war, ein echtes Highlight in unserer Ausbildung. Dieser Austausch hat uns gezeigt, wie wertvoll internationale Begegnungen seinkönnen, nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich. Wir haben Unterschiede kennengelernt und Gemeinsamkeiten entdeckt. Und vielleicht war das Schönste an dieser Woche, dass wir am Ende nicht mehr „die Deutschen“ und „die Polen“ waren, sondern einfach nur wir als Gruppe.
Wir freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen in Polen.
Cecilia Kozyrowski (TFA24B)
